Kurz gesagt: Die richtige Marktplatzagentur erkennst du nicht an Logos oder Versprechen, sondern an konkreten Antworten. Frag nach nachweisbarer Erfahrung auf deinem Marktplatz, nach Zahlen aus vergleichbaren Projekten, nach dem festen Ansprechpartner, nach dem genauen Preismodell und danach, wem Account, Daten und Content gehören. Diese zehn Fragen helfen dir im Erstgespräch.
Die 10 Fragen für das Erstgespräch
1. Auf welchen Marktplätzen habt ihr nachweislich Erfahrung?
Amazon funktioniert anders als OTTO oder Kaufland. Auch zwischen Seller Central und Vendor Central liegen Welten.
Gute Antwort: Die Agentur nennt konkrete Marktplätze und Account-Typen und kann für deinen Kanal Beispiele zeigen.
2. Welche Ergebnisse habt ihr in meiner Branche erzielt?
Logos auf der Website sagen wenig darüber, was die Agentur tatsächlich bewirkt hat.
Gute Antwort: Konkrete Zahlen aus vergleichbaren Projekten, gern anonymisiert: Umsatzentwicklung, Werbekosten im Verhältnis zum Umsatz, Zeitraum.
3. Wer betreut mich konkret?
Im Pitch sitzt oft die Geschäftsführung, im Alltag ein Junior-Team.
Gute Antwort: Du lernst deinen festen Ansprechpartner vorab kennen und weißt, wer vertritt, wenn er ausfällt.
4. Was genau ist im Preis enthalten?
Viele Angebote wirken günstig, bis Content, Tools oder zusätzliche Marktplätze extra kosten.
Gute Antwort: Leistungen, Stunden oder Produktanzahl sind klar beschrieben. Werbebudget, Content und Tools sind getrennt ausgewiesen. Mehr dazu im Ratgeber Was kostet eine Marktplatzagentur?
5. Welche Laufzeit und Kündigungsfrist gelten?
Optimierungen brauchen Zeit, aber du solltest nicht jahrelang gebunden sein.
Gute Antwort: Üblich sind 6 oder 12 Monate mit klarer Kündigungsfrist und ohne versteckte automatische Verlängerung.
6. Wem gehören Account, Daten und Content?
Wenn die Zusammenarbeit endet, darf dein Marktplatzauftritt nicht mitgehen.
Gute Antwort: Der Account läuft auf dein Unternehmen, die Agentur arbeitet mit eigenem Nutzerzugang. Kampagnen, Texte und Bilder gehören dir.
7. Wie berichtet ihr und welche Kennzahlen zählen?
Eine gute ACoS allein sagt nichts, wenn der Gesamtumsatz stagniert.
Gute Antwort: Regelmäßiges Reporting mit Umsatz, Marge und TACoS, also Werbekosten im Verhältnis zum Gesamtumsatz, plus Einordnung und nächsten Schritten.
8. Wie geht ihr bei Account-Problemen vor?
Gesperrte Listings oder Warnungen kosten jeden Tag Umsatz.
Gute Antwort: Die Agentur hat einen klaren Ablauf für Fälle, Fristen und Kommunikation mit dem Marktplatz-Support.
9. Welche Tools nutzt ihr und wer bezahlt sie?
Tool-Kosten tauchen oft erst auf der ersten Rechnung auf.
Gute Antwort: Die eingesetzte Software ist benannt und die Kosten sind im Angebot geregelt.
10. Was passiert in den ersten 90 Tagen?
Ein Plan für den Start zeigt, ob die Agentur strukturiert arbeitet.
Gute Antwort: Analyse, Prioritäten und erste Maßnahmen sind mit Zeitplan beschrieben, nicht nur „wir schauen uns das an“.
Warnsignale, bei denen du vorsichtig sein solltest
- Garantien für Platz 1 oder feste Umsatzversprechen.
- Angebote, Bewertungen zu „beschaffen“. Gekaufte oder manipulierte Bewertungen verstoßen gegen die Richtlinien der Marktplätze und gefährden deinen Account.
- Die Agentur will deine Zugangsdaten statt eines eigenen Nutzerzugangs.
- Keine nachvollziehbaren Referenzen oder Zahlen.
- Stundensätze, die weit unter dem Marktniveau liegen.
Checkliste zum Abhaken
- Erfahrung auf meinem Marktplatz belegt
- Zahlen aus meiner Branche gesehen
- Festen Ansprechpartner kennengelernt
- Leistungsumfang und Preis schriftlich
- Laufzeit und Kündigung geklärt
- Account und Content bleiben bei mir
- Reporting mit Umsatz, Marge und TACoS
- Ablauf bei Account-Problemen klar
- Tool-Kosten geregelt
- 90-Tage-Plan liegt vor
Häufige Fragen
Wie viele Agenturen sollte ich vergleichen?
Drei Erstgespräche sind ein guter Richtwert. So bekommst du ein Gefühl für Preise und Arbeitsweisen, ohne dich zu verzetteln.
Ist eine spezialisierte Amazon-Agentur besser als eine Agentur für mehrere Marktplätze?
Wenn du nur auf Amazon verkaufst, kann ein Spezialist sinnvoll sein. Planst du OTTO, Kaufland oder weitere Kanäle, spart dir eine Agentur für mehrere Marktplätze Abstimmungsaufwand.
Sollte die Agentur in meiner Nähe sitzen?
Nicht zwingend. Die meisten Marktplatzagenturen arbeiten remote. Wichtiger sind Erfahrung, Erreichbarkeit und ein fester Ansprechpartner.
Was ist TACoS?
TACoS steht für Total Advertising Cost of Sales und setzt die Werbekosten ins Verhältnis zum gesamten Umsatz, nicht nur zum Werbeumsatz. Die Kennzahl zeigt, ob Werbung den Gesamtumsatz wirklich trägt.
Agenturen vergleichen
Im Verzeichnis findest du Marktplatzagenturen mit Marktplätzen, Leistungen und Schwerpunkten. Nimm diese Checkliste mit in deine Erstgespräche.