Kurz gesagt: Für die meisten Händler ist Amazon der erste Marktplatz, weil dort laut IFH KÖLN rund 63 Prozent des deutschen Onlinehandels stattfinden. OTTO und Zalando lohnen sich, wenn Marke, Preislage und Prozesse zu ihren strengeren Regeln passen, Kaufland und eBay sind günstige Zweitkanäle mit eigener Zielgruppe. Entscheidend ist nicht die Größe eines Marktplatzes, sondern ob deine Produkte, deine Marge und deine Logistik dort funktionieren.
Marktplätze sind längst kein Nebenkanal mehr. Laut HDE-Online-Monitor 2026 liefen im Jahr 2025 bereits 56,7 Prozent des deutschen Onlineumsatzes über Online-Marktplätze. Die Frage ist also selten, ob du auf Marktplätzen verkaufst, sondern auf welchen und in welcher Reihenfolge.
In diesem Ratgeber vergleichen wir die fünf wichtigsten Plattformen für Händler in Deutschland: Amazon, OTTO Market, Kaufland, eBay und Zalando. Du bekommst die aktuellen Gebühren, die Zugangsvoraussetzungen, eine Einschätzung, welche Sortimente wo gut laufen, und eine Checkliste für deinen Start.
Die fünf Marktplätze auf einen Blick
| Marktplatz | Grundgebühr pro Monat | Verkaufsprovision | Zugang | Stärken |
|---|---|---|---|---|
| Amazon | 39 € zzgl. MwSt. (Professional) oder 0,99 € pro Verkauf (Einzelanbieter) | meist 8 bis 15 %, je nach Kategorie | offen für Händler mit Gewerbe und USt-ID, einige Kategorien nur nach Freigabe | größte Reichweite, Versand durch Amazon (FBA), starkes Werbesystem |
| OTTO Market | 99,90 € netto | 5 bis 22 %, in einigen Gruppen nach Preis gestaffelt | nur Gewerbe mit Sitz in Deutschland (Ausnahmen für Firmen aus den Niederlanden und Polen), deutsche USt-ID | kaufkräftige Kundschaft, stark bei Möbeln, Wohnen, Haushalt und Technik |
| Kaufland | 39,95 € (Basic) oder 59,95 € (Plus) zzgl. MwSt. | 4 bis 16 %, je nach Kategorie | nur Gewerbe, EAN für jede Variante | ein Konto für neun Länder, stark bei Haus, Garten und Haushalt |
| eBay | ohne Shop keine, Shops ab 39,95 € zzgl. MwSt. | 7 bis 14 % plus 0,35 € oder 0,45 € pro Bestellung, 5 % für Gebrauchtware | Privat und Gewerbe | Technik, Ersatzteile, gebrauchte und generalüberholte Ware |
| Zalando | nicht öffentlich, individuelle Konditionen | nicht öffentlich, laut Bericht von 2023 zwischen 5 und 25 % | Prüfung, eigene Marke oder Lizenz | Mode, Schuhe, Beauty, 62 Millionen aktive Kunden in Europa |
Amazon: maximale Reichweite, maximaler Wettbewerb
An Amazon kommt im deutschen Onlinehandel kaum jemand vorbei. Nach einer Studie von IFH KÖLN und General Evidence (veröffentlicht im Oktober 2026) erreicht Amazon einschließlich des Marktplatzgeschäfts einen Handelsumsatz von rund 69,1 Milliarden Euro, das entspricht etwa 63 Prozent des deutschen Onlinehandels. 97 Prozent der Onlinekäufer in Deutschland nutzen Amazon. Besonders wichtig für dich als Händler: 2025 entfielen 46,1 Prozent des deutschen Amazon-Umsatzes auf externe Marktplatzhändler.
Die Einstiegskosten sind überschaubar. Im Professional-Tarif zahlst du 39 € im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer, im Einzelanbieter-Tarif 0,99 € pro verkauftem Artikel. Dazu kommt die Verkaufsgebühr, die bei den meisten Artikeln zwischen 8 und 15 Prozent des Verkaufspreises liegt. Nutzt du Versand durch Amazon, fallen zusätzlich FBA-Gebühren für Lagerung und Versand an.
Die eigentlichen Kosten stecken aber woanders: Ohne Werbung wird ein neues Produkt auf Amazon kaum sichtbar, und in vielen Kategorien konkurrierst du mit Hunderten Anbietern über den Preis. Amazon passt deshalb besonders gut zu Marken mit klarem Alleinstellungsmerkmal, einer eingetragenen Marke für die Brand Registry und genug Marge für Werbung. Mehr dazu liest du im Ratgeber Amazon Agentur finden.
OTTO Market: kaufkräftig, aber mit Hürden
OTTO ist hinter Amazon einer der wichtigsten Onlinehändler in Deutschland und öffnet seine Plattform seit einigen Jahren konsequent für Partner. Im Geschäftsjahr 2025/26 kam OTTO nach eigenen Angaben auf rund 7,5 Milliarden Euro Plattformumsatz, etwa 40 Prozent davon über den Marktplatz. Rund 6.100 Marktplatzpartner verkaufen dort an 12,6 Millionen aktive Kunden, und der Marktplatz wuchs um 9 Prozent.
Der Zugang ist strenger als bei Amazon. Du brauchst ein Gewerbe mit Sitz in Deutschland (Ausnahmen gelten für Unternehmen aus den Niederlanden und Polen im OSS-Verfahren), eine eigene deutsche USt-ID und einen deutschsprachigen Kundenservice. Kleinunternehmer nach § 19 UStG sind ausgeschlossen.
Auch die Kosten sind höher: Seit August 2024 kostet OTTO Market 99,90 € netto im Monat, die Provisionen liegen je nach Kategorie bei 5 bis 22 Prozent vom Bruttoverkaufspreis. In einigen Provisionsgruppen gilt seit Oktober 2024 eine Staffel: Günstige Artikel zahlen einen höheren Satz, teure einen niedrigeren. In der Bekleidung zum Beispiel 17 Prozent bis 25 € und 14 Prozent über 75 €. OTTO lohnt sich deshalb vor allem für mittlere und höhere Preislagen, etwa bei Möbeln, Wohnen, Haushalt und Technik. Details findest du im Ratgeber OTTO Agentur finden.
Kaufland: ein Konto, neun Länder
Kaufland punktet mit niedrigen Fixkosten und einem einfachen Weg ins Ausland. Du wählst zwischen dem Basic-Tarif für 39,95 € und dem Plus-Tarif für 59,95 € im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Beide enthalten ein monatliches Guthaben von 30 € für Sponsored Product Ads, und die Grundgebühr deckt alle neun Länder ab: Deutschland, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Polen, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande.
Die Verkaufsprovision liegt je nach Kategorie zwischen 4 und 16 Prozent. Wichtig sind die Voraussetzungen: Jedes Produkt braucht eine offizielle EAN, und zwar jede Farbe und Größe einzeln. Kundenkommunikation und Produktdaten müssen in der jeweiligen Landessprache vorliegen, für Deutschland, Polen, Frankreich und Spanien brauchst du außerdem EPR-Registrierungsnummern für Verpackungen.
Stark ist Kaufland in Haus und Garten, Heimwerken, Haushalt und Tierbedarf. Als Zweitkanal neben Amazon ist der Marktplatz für viele Händler der logische nächste Schritt, gerade wenn du ohnehin über Expansion in Nachbarländer nachdenkst. Mehr dazu im Ratgeber Kaufland Agentur finden.
eBay: flexibel und stark bei Technik und Gebrauchtware
eBay ist der Marktplatz mit der größten Bandbreite: Privatverkäufer, Händler, Neuware, Gebrauchtware und Ersatzteile. Für gewerbliche Verkäufer gilt seit dem 1. Juli 2026 ein einheitlicher Provisionssatz pro Kategorie: 7 Prozent für Geräte wie Handys, Computer oder Haushaltsgeräte, 12 Prozent für Zubehör, 13 Prozent für Garten und Heimwerken und 14 Prozent für viele weitere Kategorien wie Sport, Möbel oder Büro. Für gebrauchte und generalüberholte Artikel sinkt die Provision in diesen Kategorien auf 5 Prozent.
Pro Bestellung kommt eine Fixgebühr von 0,35 € hinzu, ab einem Bestellwert über 10 € sind es 0,45 €. Shops kosten monatlich 39,95 € (Basis), 79,95 € (Top), 299,95 € (Premium) oder 4.999,95 € (Platin) zuzüglich Mehrwertsteuer. Achte auf deinen Servicestatus: Bei unterdurchschnittlicher Leistung oder vielen Rückgaben wegen „nicht wie beschrieben“ erhebt eBay einen Aufschlag auf die Provision.
eBay passt besonders gut zu Technik, Ersatzteilen, Re-Commerce und Restposten. Wie Agenturen dich dabei unterstützen, erfährst du im Ratgeber eBay Agentur finden.
Zalando: Mode mit hohem Anspruch
Zalando ist die erste Adresse für Mode, Schuhe und Beauty in Europa. 2025 erzielte Zalando ein Bruttowarenvolumen von 17,6 Milliarden Euro und kam auf 62 Millionen aktive Kunden. Über das Partnerprogramm verkaufen Marken und Händler direkt auf der Plattform.
Eine öffentliche Gebührentabelle gibt es nicht, die Konditionen siehst du nach der Freischaltung im Partner-Dashboard. Laut einem Bericht des Händlerbunds von 2023 lagen die Provisionen damals zwischen 5 und 25 Prozent, dazu kam eine Grundgebühr von 40 € im Monat. Seit September 2026 zahlen alle Partner einheitliche Standardgebühren, das Modell Connected Retail für stationäre Händler läuft bis Ende Juni 2027 aus.
Zalando prüft neue Partner genau. In der Regel brauchst du eine eigene Marke oder eine Lizenz, korrekte Textilkennzeichnung und eine Verpackungsregistrierung. Rechne außerdem mit hohen Retourenquoten, wie sie in der Mode üblich sind. Agenturen mit Zalando-Erfahrung findest du unter Agenturen für Zalando.
So triffst du die Entscheidung
Statt dich vom größten Namen leiten zu lassen, prüfe deine Optionen in vier Schritten.
1. Passt dein Sortiment zur Zielgruppe?
Jeder Marktplatz hat Kategorien, in denen er besonders stark ist. Schau dir an, wie viele vergleichbare Produkte es dort schon gibt, welche Preise sie haben und wie viele Bewertungen die Top-Angebote sammeln. Ein Marktplatz mit weniger Besuchern, aber passender Kundschaft schlägt oft den größten Kanal.
2. Rechne mit der echten Marge
Provision und Grundgebühr sind nur ein Teil der Kosten. Zieh von deinem Verkaufspreis alle Posten ab: Wareneinsatz, Provision, anteilige Grundgebühr, Versand, Verpackung, Retouren, Werbekosten und gegebenenfalls Fulfillment-Gebühren. Bleibt danach zu wenig übrig, wird der Marktplatz mit wachsendem Umsatz nicht profitabler, sondern teurer.
3. Hast du die Prozesse?
OTTO und Kaufland verlangen deutschen Kundenservice und saubere Produktdaten, Zalando prüft Marke und Kennzeichnung, Amazon misst deine Kontogesundheit ständig. Prüfe ehrlich, ob Lager, Versand und Kundenservice die Anforderungen eines weiteren Kanals stemmen.
4. Starte mit einem Kanal, plane mit zwei
Die meisten Händler fahren gut damit, einen Marktplatz richtig aufzubauen und erst dann den zweiten anzuschließen. Wichtig ist, von Anfang an eine Schnittstelle oder ein Multichannel-Tool einzuplanen, damit Bestände und Bestellungen später sauber synchronisiert werden.
| Deine Ausgangslage | Sinnvoller Start | Zweiter Kanal |
|---|---|---|
| Eigene Marke mit Werbebudget, breiter Massenmarkt | Amazon | Kaufland oder OTTO |
| Möbel, Wohnen, höherpreisige Haushaltswaren | OTTO | Amazon oder Kaufland |
| Haus, Garten, Heimwerken, Pläne für Expansion in die EU | Kaufland | Amazon |
| Technik, Ersatzteile, gebrauchte oder generalüberholte Ware | eBay | Amazon |
| Eigene Modemarke oder Schuhe | Zalando | Amazon oder OTTO |
Checkliste vor dem Start auf einem neuen Marktplatz
- Gewerbeanmeldung und USt-ID liegen vor, bei mehreren Ländern zusätzlich OSS oder länderspezifische Registrierungen.
- Jede Variante hat eine eigene EAN beziehungsweise GTIN.
- Verpackungsregistrierung (LUCID) und, wo nötig, EPR-Nummern für andere Länder sind vorhanden.
- Produktdaten sind für den jeweiligen Marktplatz aufbereitet: Titel, Attribute, Bilder und Beschreibung.
- Kundenservice in der Landessprache mit festen Antwortzeiten ist organisiert.
- Versand und Retouren sind geregelt, die Retourenadresse liegt in der EU.
- Die Marge ist nach Provision, Grundgebühr, Versand, Retouren und Werbung kalkuliert.
- Eine Schnittstelle oder ein Multichannel-Tool gleicht Bestände und Bestellungen ab.
- Deine Marke ist eingetragen, wenn du Amazon Brand Registry oder Zalando nutzen willst.
Typische Fehler bei der Marktplatzwahl
- Alle Kanäle gleichzeitig starten: Wer fünf Marktplätze auf einmal öffnet, betreut am Ende keinen richtig.
- Produktdaten 1:1 kopieren: Jeder Marktplatz hat eigene Attribute und Suchlogiken. Kopierte Listings ranken schlecht.
- Werbekosten vergessen: Gerade auf Amazon ist Sichtbarkeit ohne Anzeigen kaum zu bekommen.
- Grundgebühr bei wenig Umsatz unterschätzen: Bei OTTO sind knapp 100 € im Monat fix, auch wenn kaum etwas verkauft wird.
- Retouren nicht einrechnen: In Mode und Schuhen frisst eine hohe Rücksendequote schnell die Marge.
So findest du die passende Agentur
Viele Händler holen sich für den Start auf einem neuen Marktplatz Unterstützung, etwa für Onboarding, Produktdaten, Werbung oder die Schnittstelle. Im Verzeichnis findest du alle Marktplatzagenturen und kannst gezielt nach Kanal filtern: Amazon, OTTO, Kaufland, eBay und Zalando.
Wie wir Agenturen im Verzeichnis sortieren, erklären wir transparent auf der Seite Ranking-Kriterien. Vor dem ersten Gespräch helfen dir unsere 10 Fragen an jede Agentur, der Ratgeber Was kostet eine Marktplatzagentur? und der Vergleich Agentur, Freelancer oder eigenes Team. Wenn du dein Budget schon kennst, nutze den Budget-Check.
Häufige Fragen
Welcher Marktplatz ist für Einsteiger am besten?
Für die meisten Einsteiger ist Amazon der beste erste Marktplatz, weil Reichweite und Infrastruktur am größten sind und der Professional-Tarif nur 39 € im Monat kostet. Wer ein Sortiment in Haus und Garten hat oder günstig starten möchte, kann auch mit Kaufland beginnen.
Welcher Marktplatz hat die niedrigsten Gebühren?
Bei den Fixkosten sind eBay ohne Shop und Kaufland im Basic-Tarif mit 39,95 € am günstigsten, OTTO ist mit 99,90 € netto am teuersten. Entscheidend ist aber die Provision in deiner Kategorie, die je nach Marktplatz zwischen etwa 4 und 22 Prozent liegt.
Kann ich auf mehreren Marktplätzen gleichzeitig verkaufen?
Ja, die meisten Händler verkaufen auf zwei oder mehr Marktplätzen. Wichtig ist eine Schnittstelle oder ein Multichannel-Tool, das Bestände in Echtzeit abgleicht, damit du nichts doppelt verkaufst.
Brauche ich eine eigene Marke für Marktplätze?
Nicht überall. Für Amazon ist eine eingetragene Marke keine Pflicht, sie bringt aber Vorteile wie die Brand Registry. Bei Zalando ist eine eigene Marke oder eine Lizenz in der Regel Voraussetzung.
Lohnt sich OTTO trotz der höheren Grundgebühr?
OTTO lohnt sich, wenn deine Produkte in mittleren und höheren Preislagen liegen und zur Kundschaft passen, etwa bei Möbeln, Wohnen oder Technik. Bei sehr günstigen Artikeln mit wenig Umsatz frisst die Grundgebühr von 99,90 € netto schnell die Marge.
Quellen
- IFH KÖLN und General Evidence, berichtet von Retail-News (8. Oktober 2026): Amazon-Anteil am deutschen Onlinehandel
- HDE-Online-Monitor 2026 (Juni 2026): Anteil der Marktplätze am Onlineumsatz
- sell.amazon.de und PlentyONE (Stand August 2026): Amazon-Tarife und Verkaufsgebühren
- PlentyONE (Stand August 2026): OTTO Grundgebühr, Provisionen und Voraussetzungen
- Händlerbund (August 2024): Staffelprovisionen bei OTTO
- Retail-News (25. März 2026): OTTO Geschäftsjahr 2025/26
- Kaufland Global Marketplace (Oktober 2026): Tarife, Länder und Voraussetzungen
- Yagemi (Juni 2026): Kaufland-Provisionen
- eBay Hilfe: Gebühren für gewerbliche Verkäufer und Shop-Abos
- Händlerbund (2026): eBay-Provisionen ab 1. Juli 2026
- Retail-News (12. März 2026): Zalando-Ergebnisse 2025
- Händlerbund (Februar 2023): Zalando-Provisionen und Grundgebühr
- FashionUnited (April 2026): Zalando vereinheitlicht Partnergebühren
Gebühren und Bedingungen ändern sich regelmäßig. Maßgeblich sind immer die aktuellen Angaben der Marktplätze.